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Gendai Renshû Dôgu
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Zeitgenössische Trainingsgeräte
– verfasst von Matthias Golinski
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Sandsack/Trainingssack
Der Sandsack ist wohl das älteste und zugleich bekannteste
Trainingsgerät des Kampfsportlers. Nachgewiesenermaßen
trainierten bereits die Boxer und Pankrationisten des Antiken Griechenland
intensiv Schlagtechniken am sog. Kôrkyos, einem mit
Feigen, Körnern oder Sand gefüllten hängenden Ledersack
[ E01]. Heutige moderne Sandsäcke sind meist
aus Leder oder Kunstleder, gelegentlich auch aus Nylon-Segeltuch
gefertigt und variieren in Größe und Gewicht zwischen
80-180cm bzw. 30-60 kg. Sie verfügen über einen soliden
Füllkern und eine spezielle Außenummantelung, welche
die Techniken gelenkschonende absorbiert. Als Füllmaterialien
sind, trotz des Namens, keineswegs Sand sondern eher Sägespäne,
Stoffreste oder Putzwolle zu empfehlen.
Der Sandsack eignet sich hervorragend zum Training jeglicher Art
von Tritt-, Schlag- und Stoßtechniken. Er vermittelt bei richtiger
Handhabung ein realistisches Auftreff-Gefühl. Allerdings verzeiht
die große Auftrefffläche oft eine mangelnde Präzision
der Techniken. Bei der Auswahl ist dringend auf ein ausreichendes
Gewicht zu achten. Viele Kampfsportler trainieren systematisch mit
zu leichten Säcken und ergötzen sich dann förmlich
an der Schwingbewegung. Ein solches Pendeln aufgrund des zu geringen
Gewichts schränkt aber nicht nur die Anwendbarkeit von Kombinationen
stark ein, sondern mindert auch wesentlich den Trainingseffekt.
Eine solide Deckenkonstruktion oder die sichere Befestigung über
eine Wandhalterung stellen das größte Problem beim Training
mit dem Sandsack dar und disqualifizieren ihn stark für den
Heimgebrauch. Ist der Trainingssack jedoch erst einmal stabil aufgehängt,
stellt er zweifellos den Klassiker unter den Trainingsgeräten
und eine unschätzbare Hilfe bei der Heranbildung starker Techniken
dar.
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Schlag-, Box- oder
Maisbirne
Die Schlagbirne wird überwiegend von Boxern genutzt und dient
im wesentlichen dem Training des richtigen Timings und der Steigerung
der Schlaggeschwindigkeit. Sie ist entweder aus Leder oder aus Kunstleder
gefertigt und variiert im Gewicht. Die Birne wird unter eine Platte
geschraubt, sodass sie bei jedem Schlag gegen die Platte und wieder
von dieser zurück pendelt. Das Training mit der Boxbirne ist
für Boxer und die Vertreter der Thai-/Kickbox-Fraktion zweifellos
interessant und ausgesprochen nützlich. Für die Trainierenden
anderer „schlagender“ Kampfsportarten, wie etwas Karate
oder Taekwondo eignet sie sich jedoch nur bedingt.
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Doppelendball
Ein weiteres Trainingsgerät, das wohl ursprünglich aus
dem Boxen kommt, ist der Doppelend- oder Punchingball. Der Ball
ist für gewöhnlich aus Leder oder Kunstleder gefertigt
und hat einen Durchmesser von 23 –25cm. Der Ball wird entweder
durch zwei Gummibänder oder durch ein Seil und ein Gummiband
an Boden und Decke befestigt. Die Befestigung selbst ist in der
Regel relativ unaufwendig.
Der Doppelendball eignet sich hervorragend zum Training von Timing
und Distanz ohne Partner. Schnelle Schlag-, sowie Schlag-/Tritt-Kombinationen
können durch die zügige Pendelbewegung sehr realistisch
geübt werden. Am Anfang gestaltet sich der Einstieg in das
Training meist eher schwierig, da die Bewegungen wesentlich leichter
aussehen als sie tatsächlich sind. Nach dieser Eingewöhnungsphase
ist der Doppelendball aber ein überaus wichtiges Werkzeug und
besonders für das Heimtraining fast unentbehrlich. Eine überaus
sinnvolle Investitionen für den heimischen Trainingsraum.
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Springseil
Das klassische Springseil hat in den letzten Jahren durch den US-Trend
„Rope-Skipping“ zurecht eine wahre Renaissance erlebt.
Als das zweifellos einfachste, hier aufgeführte, Trainingsgerät
eröffnet es dem Übenden eine unglaubliche Anzahl an Einsatzmöglichkeiten
und ermöglicht mit wenig Aufwand und Kosten ein hocheffektives
Ausdauertraining. Die Varianten reichen vom schlichten Leinenseil,
über ein schweres Lederseil mit Kugellagern, bis hin zu einem
befüllbaren Plastikkabel. Bei diesem Modell kann das Gewicht
des Seils durch Befüllung mit Sand variiert werden.
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Da sie ursprünglich aus thailändischen
Trainingscamps stammt, wird sie gelegentlich auch als „Thaiboxseil“
bezeichnet. Bei manchen Seilen können kleine Gewichte in die
Griffe geschraubt werden, was zusätzlich vermehrt die Hand-
und Unterarmmuskulatur trainiert. Die Trainingsintensität kann
durch verschiedene Sprungtechniken umfassend variiert werden. Das
Repertoire umfasst das Springen mit ein oder zwei Beinen, die Seilführung
gerade oder überkreuz, den Seilschwung vorwärt oder rückwärts,
sowie persönliche Variationen und Kombinationen der Elemente.
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Pratzen
/ Coaching Mitts
Die klassischen Pratzen bestehen aus einem stabilen Handschuh mit
übergroßer, stark gepolsterter Innenfläche. Sie
sind meist aus Leder oder Kunstleder gefertigt und in diversen Formen
erhältlich. Die Pratzen werden beim Training vom Partner gehalten
und ermöglichen so ein effizientes Üben „am Mann“.
Durch geschickte Handhabung lassen sich quasi sämtliche Stoß-,
Schlag- und Tritttechniken einzeln oder als Kombination verwenden.
Bei einer vernünftige Übungsplanung können so eine
Vielzahl der Sandsackübungen übernommen und am sich bewegenden
Partner anwendet werden. Ein gutes Pratzentraining ist zugleich
auch ein überaus effektiver Test für die Praxistauglichkeit
der verwendeten Techniken. Ein bedeutender Nachteil ist jedoch der
unbedingte Bedarf eines kompetenten Partners.
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Gepolsterte selbststehende
Schlagpfosten
Mit dem „Body Opponent Bag“ hat die US-Firma Century
einen Schlagpfosten in Form einer originallegtreuen Nachbildung
des menschlichen Torsos und Kopfes produziert. Diese derartige 'Vermenschlichung’
eines Trainingsgeräts hat im Kampfsportbereich durchaus zu
hitzigen Diskussionen geführt. Die Tatsache, dass das Gerät
mittlerweile auch in der verlängerten Form mit Unterleib, sowie
in einer speziellen, kleineren Kindervariante verfügbar ist,
hat die Zahl der Kritiker eher noch erhöht.
Der BOB ist höhenverstellbar und maximal 180cm groß.
Er verfügt über einen soliden Standfuß, der wahlweise
mit Sand oder Wasser befüllt werden kann (Gewicht gefüllt
max. 120 Kg).
Man mag über die anthropoide Form geteilter Meinung sein. Fest
steht aber, dass sie ein realitätsnahes und präzises Training
sämtlicher gebräuchlichen Schlag-, Stoß- und Tritttechniken
im Jôdan- und Chudan-Bereich ermöglicht. Ferner können
auch eine Vielzahl von Greiftechniken und sogar gewisse Würge-
und Strangulationstechniken geübt werden. |
Das (noch abstrakt
gehaltene) Vorgängermodell des „BOB“ war der „Wavemaster“,
ein quasi stehender Sandsack. Der Vorteil besteht im wesentlichen
in der Tatsache, dass der „Wavemaster“ relativ frei
im Raum beweglich ist und keiner Bohrungen in Decke, Wand oder Boden
bedarf. Der Fuß ist genauso wie beim „BOB“ befüllbar
und stellt so einen stabilen Stand sicher. Auch die Größenabmessungen
entsprechen weitgehend denen des „BOB“. Mittlerweile
werden vergleichbare Modelle auch von anderen Namenhaften Kampfsportausstattern
angeboten. Eine vielleicht interessante und wahrlich nicht unbedeutende
Besonderheit des „Wavemaster“ ist der stabile Wasserkern,
über den der Härtegrad der Schlagfläche reguliert
werden kann.
Der „Wavemaster“ stellt von den Verwendungsmöglichkeiten
her ein klassisches Sandsack-Substitut dar und empfiehlt sich besonders
für Räumlichkeiten in denen die Montage eines Sandsacks
nicht möglich ist.
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| [E01] |
Vgl. Flavius Philostratos (2./3. Jh.n.Chr.)
in Doblhofer, G., Mauritsch, P., Pankration: Texte, Übersetzungen,
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Kommentar,
Wien 1996, S. 113 zurück |
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(als PDF-Datei)
© Matthias Golinski, 2003-2004
www.TSURU.de
Erstveröffentlichung: 15. Oktober 2004
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