Mut zur Entscheidung

– verfasst von Matthias Golinski –


Vielfältig sind heute die Möglichkeiten und Wege des Karate-Dô. Der Anfänger ahnt beim ersten Schulbesuch kaum, was für ein großes Bündel ihn erwartet. Karate ist heute sowohl ein attraktiver Wettkampfsport, als auch eine hervorragende Methode der Gesundheitsübung; sowohl ein attraktives Fitnesstraining, als auch eine effektive Selbstverteidigung; sowohl ein Weg der Charakterschulung, als auch eine ausgezeichnete Therapiemöglichkeit.
Karate ist für alle da“ sagte Funakoshi Gichin (1868-1957) einmal und trifft damit genau den Punkt. Karate ist heute ausgesprochen reichhaltig und ein jeder findet genau das, was er (oder sie natürlich) sucht.


Sofern er es denn tatsächlich sucht! Die Vorstellung, man könne mit einem allgemeinen Training alle oben genannten Punkte parallel üben und am Ende dann die Meisterschaft in allen erreichen ist doch wohl reichlich naiv. In diesem Punkt werden mir die Wettkämpfer/innen unter Ihnen aus eigener Erfahrung besonders zustimmen können: Erfolg bedarf der Spezialisierung! Die Fähigkeit zur Selbstverteidigung erfordert ein komplett anderes Training als jenes, welches für den Landesmeistertitel nötig ist und das Programm zur Gesundheitsübung hat wiederum anders zu erfolgen.
Mit Sicherheit sind viele Elemente des Trainings ähnlich, denn schließlich geht es ja immer um Karate. Die Unterschiede bestehen vielmehr in kleinen, aber um so bedeutenderen, Nuancen.

Genauso, wie die junge Wettkämpferin sich heute überlegen muss, ob sie ihren Schwerpunkt auf Kata oder doch lieber aufs Kumite legen möchte, so sollten sich alle Karateka einmal kurz überlegen, was sie denn momentan durch ihr Training erreichen möchten.
Wenn wir nämlich selbst nicht wissen, wo uns der Weg einmal hinführen soll, wird es schwer, den eigenen Standpunkt zu bestimmen. Zwar sagen die Asiaten, dass, wenn ein Auge auf das Ziel gerichtet ist, lediglich eins übrig bleibt um den Weg zu finden; aber eine zumindest grobe Vorstellung von der Richtung schadet bei weitem nicht.

Zweifellos ändern sich die Bedürfnisse während eines Karatelebens mehrmals und das ist auch gut so. Es ist ja ganz normal, dass jemand mit fünfzehn ganz andere Anforderungen ans Karate stellt, als jemand mit fünfunddreißig oder fünfzig. Das meiste davon kann Karate erfüllen, wenn man denn, wie gesagt, weiß, was man möchte.

Ebenso, wie eine Entscheidung nach den Zielen erfolgen muss, so ist sie auch bei den körperlichen Gegebenheiten nötig. Es ist doch sinnlos, wenn ein Mitt-Fünfziger immer noch nach den Jôdan-Fußtechniken oder hohen Sprüngen eines Neunzehnjährigen strebt. Verstehen Sie mich bitte hier nicht falsch. Ich sage nicht, dass nicht jeder nach dem Optimum seiner Möglichkeiten streben soll. Dies ist für mich ein bedeutender Aspekt des Karate und das Thema dieses Artikels ist es ja eben, diese optimale Kombination zwischen Zielen und Möglichkeiten zu erreichen. Aber die Ziele müssen realistisch sein. Auch der Wunsch nach der perfekten Technik sollte sich, meiner Ansicht nach, immer auf die eigenen Chancen beziehen.

Karate bietet uns heute eine Menge Gestaltungsmöglichkeiten. Nutzen Sie diese und gestalten Sie Ihr Karate aktiv nach Ihren Wünschen. Denn zu guter Letzt muss den Weg ein jeder selbst gehen.

 

„Ein Spezialist ist jemand, der immer mehr von immer weniger versteht.“
(Sakugawa Shungo (1733-1815), okinawanischer Kampfkunstexperte)

 

 

Druckversion (als PDF-Datei)

 

© Matthias Golinski, 2003-2004
www.TSURU.de

Erstveröffentlichung: 10. Juli 2003

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