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Legenden des Karate:
Mabuni Kenwa und sein Shitô-Ryû
– verfasst von Matthias Golinski
–
Mabuni Kenwa wurde am 14. November
1889 in Shuri auf Okinawa geboren. Sein Vater, Kenpô,
arbeitete als Süßwarenhändler in Shuri und war
der 17. Abkömmling der Onigusuku, eines okinawanischen Samurai-Geschlechts.
Während des okinawanischen Königreiches, trug er den Ehrentitel
'Peichin’. Kenpô und seine Frau beschlossen,
ihren zweiten Sohn 'Kenwa’ (der Kluge und Harmonische)
zu nennen.
Mabuni war als Kind recht
schwächlich und sehr anfällig für Krankheiten. Im
zarten Alter von zehn Jahren soll ihn ein Hausdiener erstmals in
die Kunst des Karate eingeführt haben [E01].
Mit 13 Jahren begann er auf Anraten seines Vaters das Training bei
dem renommierten Karatemeister Itosu Ankô
(1832-1915), der „heiligen Faust des Shuri-Te“.
Mabuni war begeistert von Itosus Training und
soll von dort an bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr keine Trainingseinheit
verpasst haben [E02]. Die Ausbildung
war ausgesprochen intensiv und über die Jahre erlernte Mabuni
alle 23 Kata aus Itosus System [E03].
1909 empfahl Itosu Mabuni, sein Wissen bei anderen Lehrern
zu erweitern [E04]. Mabuni kannte Miyagi
Chôjun (1888-1953) aus der Schule und wusste, dass dieser
Karate bei Higashionna Kanryô (1853-1916)
trainierte. Miyagi stellte schließlich den Kontakt
zwischen den Beiden her und Higashionna nahm Mabuni
als Schüler auf. Mabuni soll daraufhin die folgenden
zwei Jahre parallel bei Itosu und Higashionna
gelernt haben [E05]. Higashionna lerhrte
Mabuni das Naha-Te [E06]. |

Mabuni Kenwa
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1907 begann Mabuni eine Arbeit als Hilfslehrer
an einer Grundschule in Naha. Dieser Tätigkeit ging er zwei
Jahre nach, wurde dann aber 1909 zum Wehrdienst nach Kumamoto
einberufen. Diese Erfahrungen sollen ihn bewogen haben, nach dem Wehrdienst
1912 eine Ausbildung an der Polizeischule zu beginnen. Nachdem er die
Ausbildung erfolgreich absolviert hatte, wurde er wohl 1915 zum Polizeiinspektor
in Naha befördert.
Im selben Jahr verstarb sein langjähriger Lehrer Itsou Ankô.
Als Ehrerbietung soll Mabuni daraufhin ein Jahr lang täglich
Kata an Itosus Grab geübt haben.
Während dieser Zeit begann Mabuni wohl auch das Training
bei Aragaki Seisho Tsuji Pechin (1840-1918 oder 20). Aragaki
unterrichtete den südchinesischen Stil der Mönchsfaust (chin.
Luohan Quan) und lehrte Mabuni die drei Kata Unsu,
Sôchin und Niseishi. [E07].
Einen weiteren maßgeblichen Einfluss auf Mabuni hatte in
dieser Zeit auch ein chinesischer Teekaufmann und Quanfa-Experte
namens Wu Xiangui (1886-1940, jap.: Go Kenki) [E08].
Er führte Mabuni in den Stil des Baihe Quan ein
und lehrte ihn drei Kata [E09].
Das Jahr 1918 war ein bedeutendes in Mabunis Leben. Er war seinerzeit
bereits eine geachtete und respektierte Persönlichkeit in Okinawas
Kampfkunstwelt (im Alter von 29 Jahren!) [E10]. Am
13. Februar im selben Jahr wurde auch Mabunis erster Sohn Kenei
geboren und Mabuni entschied sich zur Gründung des 'Karate
Kenkyûkai’ [E11]. Diese 'Gesellschaft
zur Erforschung der Chinesischen Hand’ war seinerzeit etwas besonderes
und zählte eine beachtliche Anzahl von Kampfkunstmeistern zu ihren
Mitgliedern [E12].
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Quanfa-Experte Wu Xiangui (links Mabuni
Kenwa) |
1924 nahm Mabuni mehrere
Lehraufträge an und unterrichtete Karate u.a. an der
'Schule zur Lehrerausbildung’ und der 'Schule für Fischereiwesen’
[E13]. Ein Jahr später eröffnete Mabuni
sein erstes Dôjô hinter seinem Haus und gründete
den 'Forschungsclub der Chinesischen Hand’ (Karate Kenkyû
Kurabu). Im folgenden löste er den nun überflüssig
gewordenen 'Karate Kenkyûkai’ auf. Es ist davon
auszugehen, dass die Mitglieder des 'Karate Kenkyû Kurabu’
auch selbst regelmäßig in Mabunis Dôjô
unterrichteten und somit ein reger technischer und philosophischer
Austausch zwischen ihnen stattfand.
Während dieser Zeit reiste Mabuni zusammen
mit seinem Freund Konishi Yasuhiro (1893-1983) nach Japan
und stellt dort sein Karate vor [E14].
Bei dieser Reise trafen sie in der Wakayama-Präfektur
auf Uechi Kanbun (1877-1948), den Begründer des Uechi-Ryû,
und trainierten mit diesem [E15]. Im Wesentlichen
hielt sich Mabuni aber wohl im 'Seishinkai’,
dem Dôjô von Kokuba Kosei (1901-1959)
in Ôsaka auf. |
Im Januar 1927 besuchte Dr. Kanô Jigorô
zusammen mit seinem Schüler Nagaoka Hidekazu (1876-1952)
den 'Forschungsclub der Chinesischen Hand’. Mabuni Kenwa
führte bei dieser Gelegenheit zusammen mit seinem Freund Miyagi
Chôjun mehrere Kata des Karate vor [E16].
Kanô soll von der Vorführung beeindruckt gewesen sein
und die beiden ermutigt haben, ihre Kunst auf der japanischen Hauptinsel
zu verbreiten.
Wahrscheinlich auch unter dem Eindruck dieses Gesprächs entschied
sich Mabuni fest nach Japan zu ziehen und siedelte 1928 nach
Tôkyô[E17]. Bereits 1929 zog er nach Ôsaka
um. Mabuni widmete sich dort voll und ganz seinem Wunsch, sein
Karate in Japan zu verbreiten. Er unterrichtete zuerst selbstständig
an mehreren Universitäten (Kansai, Doshisha) und Polizeischulen
und eröffnete dann schließlich 1934 seine erste eigene Schule,
das 'Yôshûkan’ ('Haus der tüchtigen Erziehung’)
[E18]. Einer von Mabunis ersten Schülern
in dieser Zeit war Uechi Kanei [E19].
In jener Zeit gab es bereits mehrere Strömungen
des Karate in Japan, und der japanische Kampfkunstverband (Dai
Nippon Butokukai) erwartete eine stärkere Abgrenzung der einzelnen
Schulen voneinander. Daraufhin beschloss Mabuni seine Karateauffassung
als 'Hanko-Ryû’ (Halb-harter Stil) zu bezeichnen
[E20].
Später änderte er jedoch aus Respekt zu seinen zwei größten
Lehrern den Namen in 'Shitô-Ryû’. Der Name
leitet sich von der sinojapanischen Lesung des ersten Schriftzeichens
der Namen Itosu und Higashionna ab [E21].
Den Namen ließ er wohl 1939 beim Dai Nippon Butokukai registrieren
[E22].
Der 2. Weltkrieg setzte, wie der gesamten japanischen
Zivilbevölkerung, auch der noch jungen Shitô-Ryû-Gemeinde
stark zu. Viele von Mabunis Schülern kamen gar nicht, oder
schwer verletzt aus dem Krieg zurück. Mabuni überlebte
den Krieg knapp und verlor einen Großteil seines Besitzes [E23].
Die ehemaligen Schüler trafen sich nach und nach bei ihren alten
Übungsstätten und nahmen das Training wieder auf.
Mabuni
und das Kobudô
Ein Aspekt, der bei Berichten über Mabuni Kenwa meist nur
am Rande erwähnt wird, ist die Tatsache, dass er auch ein Experte
in der traditionellen okinawanischen Waffenkunst Kobudô
war. Mabuni lernte bereits von seinem Lehrer Aragaki
den Umgang mit den Kobudô-Waffen Bô (Langstock)
und Sai (Eisengabel) [E24]. Später perfektionierte
er seine Fähigkeiten bei Chinen Sanda (1842-1928) und besonders
unter dessen bekanntestem Schüler Yabiku Moden (1882-1945).
Weitere Einflussquellen waren auch Tawada Shimbuku (1851-1920)
und Sueyoshi Jino (1846-1920) [E25].
Mabuni verstand Karate und Kobudô stets
als eine Einheit und hielt während seiner Zeit in Japan auch regelmäßig
Unterricht in dieser Waffenkunst ab. Er hat somit auch als erster das
Kobudô effektiv in Japan eingeführt. Der vielleicht
bekannteste Kobudô-Schüler Mabunis war Taira
Shinken (1897-1970). Taira übte erst Karate
bei Funakoshi und Kobudô bei Yabiku Moden. Nachdem
Yabiku Taira 1933 mit dem Shihan Menkyo (Großmeister-Lizenz)
ausgezeichnet hatte, empfahl er diesem seine Studien unter Mabuni
fortzuführen. Von 1934 an unterrichtete Mabuni Taira sechs
Jahre lang und vermittelte ihm sowohl die Technik des Stockskampfs (Bô-Jutsu)
von Sensoko, Sueyoshi und Urazoe, als auch das Sai-Jutsu
von Hantaguwa und Hamashiga [E26].
In den folgenden Jahren standardisierte Taira Shinken den Lehrplan
und die Kata des Kobudô. Auch bekannte Schüler
Mabunis, wie etwa Sakagami
Ryûsho (1915-1993) zählten später zu seinen Schülern. Heute
wird Taira Shinken von den meisten Historikern als wichtigster
Kobudô-Meister der Nachkriegszeit betrachtet.
Als einzigem der vier japanischen Karatestile wird im Shitô-Ryû
auch heute noch regelmäßig der Umgang mit traditionellen Kobudô-Waffen
geübt.
Mabunis Lehre und Forschung
Das Shitô-Ryû Karate verbreitete sich schnell in
Ôsaka, Kôbe und Kyôto und gehört heute, neben Gôjû-Ryû,
Wadô-Ryû und Shôtôkan, zu den
vier großen japanischen Karatestilrichtungen. Wie kaum
ein anderer kannte Mabuni sowohl die Elemente des Shuri-,
als auch des Naha-Te und verband sie in seinem Stil zu einer
wohl einmaligen Synthese. Auch die Einflüsse der Aragaki-Schule
und des Baihe Quan sind bei genauerem Hinsehen selbst heute noch
deutlich zu erkennen. Die beachtliche Anzahl von 53 Kata ist
ein eindeutiger Nachweis für die Vielseitigkeit Mabunis
[E27].
| Ich
persönlich weiß nicht, inwieweit Mabuni die
Kenntnis all dieser Kata als wirklich maßgeblich
für die Meisterschaft des Shitô-Ryû erachtete.
53 Kata waren für die damalige Zeit eine überaus
große Auswahl. In Anbetracht der „Hito Kata sannen“-Maxime
wäre hier ein Leben bei weitem nicht ausreichend [E28].
Ich gehe demnach stark davon aus, dass Mabuni selbst ganz
genau um die Einmaligkeit seines Wissens wusste und ein möglichst
breites Kata-Spektrum für die Nachwelt erhalten wollte.
Vielleicht wollte er auch den folgenden Generationen die Komplexität
und Vielfältigkeit des Karate demonstrieren und besonders
in Japan dem Ruf einer „Bauern-Kampfkunst“ entgegenwirken
[E29].
Mabuni legte sein Augenmerk bereits früh
auf die Lehre und Erforschung des Karate. Besonders der
Forschungsclub war eine beachtliche, stilübergreifende Vereinigung,
die es wohl in dieser Form und Qualität später nie wieder
geben sollte. |
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Als ein weiterer Meilenstein seiner Forschung kann zweifellos
die erstmalige Veröffentlichung des 'Bubishi’ 1934
betrachtet werden. Dieser legendäre chinesische Text wurde über
Generationen unter den Karatemeistern Okinawas weitergegeben
und hatte bedeutenden Einfluss auf die Forschung und das Karateverständnis
von Higashionna Kanryô, Funakoshi Gichin, Itosu
Ankô, Shimabukuro Tatsuo (1908-1975) und vielen anderen.
Für Yamaguchi Gôgen (1909-1989) war das 'Bubishi’
der „wertvollste Text“ und Miyagi Chôjun bezeichnete
es sogar als „Bibel“ des Karate [E30].
Mabuni hat seine Lehre in vier maßgeblichen
Büchern niedergeschrieben: 'Karate-Jutsu’ (Die Technik
der leeren Hand, 1933), 'Goshinjutsu Karate Kempô’
(Faustmethode der Leeren Hand als Kunst der Selbstverteidigung, 1934),
'Sêpai no Kenkyû’ (Forschungen zur Sêpai,
1934) und 'Karate-Dô Nyûmon’ (Einführung
in den Weg der Leeren Hand, 1935).
Sämtliche Bilder in den Publikationen dokumentieren Mabunis
herausragendes technisches Level. Seine Techniken wirken ausgesprochen
reif und für die damalige Zeit überaus präzise in der Ausführung.
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Das Wappen des Mabuni-Clans (©MG) |
Mabuni genoss sowohl unter
den okinawanischen, als auch unter den japanischen Karatemeistern
ein ziemlich hohes Ansehen und einen ausgezeichneten Ruf. Besonders
seine Kata-Fähigkeiten wurden geachtet. So sagte Funakoshi
Gichin einst: „Wenn du etwas über die Kata
wissen willst, musst du Mabuni Kenwa fragen“ und
bezeichnete ihn als „herausragenden Budô-Lehrer“
und „der reichste Quell an Karate-Jutsu Techniken
und Informationen dieser Ära“ [E31].
Motobu Chôki (1870-1944), einer der größten
Kumite-Experten der Insel sagte: „Für Techniken
gibt es niemand besseren als Mabuni Kenwa“ [E32].
Mabunis unglaubliche Kompetenz zog zugleich
Respekt und Neid nach sich. Doch seine umgängliche Art und
seine herausragende Hingabe zum Karate machten es anderen
schwer, ihn wirklich zu hassen oder in Misskredit zu bringen.
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„Wenn Mabuni jemals aus seiner Popularität
Geld schlagen wollte, hätte er oft leicht ein reicher Mann sein können.
Er wurde von allen gemocht, von manchen beneidet, aber von keinem gehasst.“
sagte Ôtsuka Hironori (1892-1982), der Begründer des
Wadô-Ryû Karate hierzu einmal [E33].
Was die kämpferischen Qualitäten Mabunis
anbelangt, lassen sich schwierig Schätzungen vornehmen. Im Gegensatz
zu manch anderem okinawanischen Karatemeister gibt es wenige
Aussagen über kämpferische Auseinandersetzungen in Mabunis
Leben. Sakagami Ryûsho und Mabunis
Sohn Kenei zufolge, soll er aber während seiner Zeit als
Polizist häufiger von seinen Karatefähigkeiten Gebrauch
gemacht haben [E34]. Auf keinen Fall sollte man Mabunis
Präferenz für das Kata-Studium als Vorwand nehmen,
um in als Theoretiker abzustempeln. Sämtliche Anwendungsbeispiele
in seinen Werken sind von beachtlicher Qualität und zeigen, dass
Mabuni seine Techniken durchaus umzusetzen vermochte [E35].
Mabuni war zweifellos einer der größten
Visionäre des Karate. Bereits zu einer Zeit, als Frauen
in Karate-Dôjô noch ein absolutes Novum darstellten,
erarbeitet Mabuni speziell Selbstverteidigungskonzepte für
sie. Die Kata Miyojo (Venus) und Aoyagi (Grüne
Weide) beinhalten seine Forschungen und er plante sogar ein eigenes Buch
zu diesem Thema [E36].
Der Einfluss auf das Shôtôkan
Mabuni hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Karate
in Japan in dieser Zeit. Er kannte Miyagi Chôjun und
Funakoshi Gichin bereits aus ihrer gemeinsamen Zeit im 'Karate
Kenkyû Kurabu’ auf Okinawa. Die Pinan-Kata,
welche Funakoshi später in 'Heian’ umbenannte,
wurden 1905 von Itosu entwickelt. Da Funakoshi
vorrangig ein Schüler von Azato Ankô (1827-1906) war
und mit Itosu lediglich vor 1905 trainierte, kann er die Kata
nicht von diesem erlernt haben. Dennoch bilden sie heute die Grundkata
des Shôtôkan-Stils. Wahrscheinlich hat er diese fünf
Kata 1919 von Mabuni Kenwa erlernt [E37].
Nach Aussage von Ôtsuka stammten viele von Funakoshis
Kata direkt von Mabuni oder wurden zumindest von diesem
korrigiert [E38].
Funakoshi Gichin erachtete 15 traditionelle
Kata als ausreichend zur Vermittlung seiner Karatevorstellung
[E39]. Es ist auch bekannt, dass Mabuni nach
seiner Ankunft in Tôkyô 1928 mehrere fortgeschrittene Schüler
Funakoshis, wie etwa Obata Isao (1904-1976) oder Konishi
Yasuhiro unterrichtete [E40]. Funakoshi
soll sogar zusammen mit seinen besten Schülern zum Training bei Mabuni
gegangen sein und sie zum Studium neuer Kata ermutigt haben [E41].
Heute werden im Shôtôkan 26 Kata geübt.
In keiner der offiziellen Publikationen des 'Nihon Karate Kenkyukai’(Japan
Karate Association) oder ihrer Vertreter wird Mabuni Kenwa
erwähnt. Gleichzeitig werden aber auch keinerlei Aussagen gemacht,
über welche Wege die weiteren 11 Kata in den Stil gelangten
[E42].
Auffallend ist aber, dass alle Kata sind, welche
Mabuni auch in seinem Stil unterrichtete. Es ist meines Erachtens
nach sehr wahrscheinlich, dass mindestens 16 Kata (und somit
fast 2/3 der stilrelevanten Formen) durch Mabuni ins Shôtôkan
gelangten. Mabuni war somit weitaus wichtiger für die Entwicklung
des Stils, als heute gemeinhin angenommen wird. Es ist durchaus möglich,
dass die Einflussnahme beidseitig erfolgte und Mabuni auch von
den Meistern des Shôtôkan lernte. So findet sich
heute im Shitô-Ryû, genauso wie im Shôtôkan,
eine starke Konzentration auf den Vorwärtstritt (Mae-geri),
den seitenverkehrten Fauststoß (Gyaku-zuki) und die Übung
des Freikampfes (Jiyû kumite).
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Toyama Kanken, Ôtsuka Hironori, Shimabuku Zenryo,
Funakoshi Gichin, Motobu Chôki, Mabuni Kenwa, Nakasone Genwa
& Taira Shinken (v.l.)
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Neben seinen beiden Söhnen und Nachfolgern Mabuni
Kenei (*1918) und Mabuni Kenzo (*1927) hatte Mabuni
Kenwa eine größere Anzahl an bedeutenden Schülern.
Die meisten von ihnen begründeten über die Jahre ihre eigenen
Interpretationen und Stile. So entwickelte z.B. Sakagami Ryûsho
das Itosukai-Ryû oder Shiroma Shinpan (1890-1954)
das Shiroma Shitô-Ryû. Obwohl sich die verschiedenen
Stile technisch kaum unterscheiden, sind sie untereinander z.T. stark
zerstritten.
Mabuni Kenwa verstarb am 23. Mai 1952 im Alter von 62 Jahren.
„Jene, die wirklich über die Zukunft des Karate
nachdenken, sollten keinen geschlossenen Geist haben und sich selbst einschränken,
indem sie nur eine leere Hülle üben, sondern sich bemühen,
die komplette Kunst zu erlernen.“
Mabuni Kenwa
Karate-Dô Nyumon, S. 209
Endnoten
| [E01] |
Lind (S. 83) zitiert Mabuni
wie folgt: „Ich habe von einem Angestellten meines Hauses, Matayoshi
Morihiro, als Basis des Karate die Kata Naihanchi
gelernt [...].“ Nach McCarthy (1999, S. 11) war Matayoshi
ein Schüler von Matsumura Sôkon (1809-1901). Vgl.
auch Bittmann, S. 111 zurück |
| [E02] |
Vgl. Moledzki, S. 1 zurück |
| [E03] |
Vgl.: Sells, S. 1, Lind, S. 318. Diese Kata
waren: Pinan Shôdan-Godan, Naihanchi Shôdan-Sandan,
Passai (Dai & Shô), Kôshôkun
(Dai, Shô & Shihô), Useishi, Chintô,
Wanshu, Chinte, Rôhai Shôdan-Sandan,
Jitte, Jion, Ji’in. Vgl. auch McCarthy (1999), S. 36 mit
Kuniyoshi Kôshôkun anstelle der Wanshu.
Nach Aussage von McCarthy (1999, S. 4) soll Mabuni während
der Mittelschule auch bei Hanashiro Chômo (1869-1945),
einem Schüler von Itosu und Matsumura Sôkon
gelernt haben. zurück |
| [E04] |
Vgl. Moledzki, S. 1 zurück |
| [E05] |
Vgl. Bittmann, S. 111 zurück |
| [E06] |
Jenen Stil welchen Higashionna in China
erlernte und der später, neben dem Shuri-Te, zur zweiten
großen Strömung des okinawanischen Karate wurde.
zurück |
| [E07] |
Nach McCarthy (1999, S. 6) soll Aragaki die Sôchin-Variante
welche Mabuni von Itosu erlernt hat korrigiert haben. Dies ist jedoch
verwunderlich, da die Sôchin-Kata für gewöhnlich nicht
zu Itosus Curriculum gezählt wird. zurück |
| [E08] |
Vgl. McCarthy (1997), S. 40ff. zurück
|
| [E09] |
Nepai, Happoren und Hakutsuru.
Diese wurden später durch Mabuni verändert und
als Nipaipo, Paipuren und Hakucho in seinen
Stil Shitô-Ryû aufgenommen. zurück
|
| [E10] |
Vgl. Moledzki, S. 3 zurück |
| [E11] |
Vgl. Bittmann, S. 111 zurück |
| [E12] |
Wer genau Mitglied der Gesellschaft war ist unklar.
Fest steht jedoch, dass mit Hanashiro Chômo (1869-1945),
Miyagi Chôjun, Funakoshi Gichin (1868-1957),
Chibana Chôshin (1885-1969), Yabu Kentsû
(1863-1937), Kyôda Juhatsu (1887-1968), Yabiku
Moden (1882-1945), Tang Daiji (1887-1937), Kyan
Chôtoku (1870-1945), Sokon Hôhan (1889-1982),
Motobu Chôyû (1857-1927) und Wu Xiangui
sowohl Meister des Shuri-Te, des Naha-Te und des
chinesischen Quanfa dort unterrichteten. Vgl. Bittmann (S.
111), Sells (S. 1), McCarthy (1999, S. 8) und Lind (S. 319). zurück
|
| [E13] |
Vgl. Bittmann, S. 111 zurück |
| [E14] |
Vgl. Moledzki, S. 5 zurück |
| [E15] |
McCarthy (1999, S. 19) ist der Ansicht, dass dieses
Treffen erst nach 1928 stattfand und Mabuni bereits in Japan
lebte. Unstrittig ist, dass Mabuni nach diesem Training eine
Kata namens Shinpa entwickelt hat, welche die von
Uechi erlernten Verteidigungsprinzipien beinhaltet. Vgl.
Sells, S.1 und McCarthy (1999), S. 19 zurück
|
| [E16] |
Vgl. Lind, S. 156 und S. 321. Es ist unklar, ob
es sich hier um einen oder zwei Besuche Kanôs im Jahre
1927 handelt. Auf S. 321 spricht Lind von einer „Konferenz für
die Jûdô-Yudansha“. Ich gehe davon aus,
dass es nur einen Besuch gab, und halte die Idee eines Schwarzgurt-Lehrgangs
schon allein vom organisatorischen Aufwand her für eher unwahrscheinlich.
Auch bei Bittmann (S. 106ff.) wird lediglich ein Besuch Kanôs
erwähnt. zurück |
| [E17] |
Vgl. Mabuni/McKenna, S. 8 & S. 20 zurück
|
| [E18] |
Vgl. Chambers, S. 2 Nach Aussage von Sakagami Ryûsho
(1915-1993) war dies der Name der Schule die Mabuni als Kind
besuchte. Vgl. hierzu McCarthy (1999), S. 20 zurück
|
| [E19] |
Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Sohn
des Uechi-Ryû-Begründers. Uechi begann
das Training 1926, erreichte seinen 2. Dan von Mabuni
1935 und seinen 4. Dan 1942. 1948 kehrte Uechi nach
Okinawa zurück und gründete dort das Shitô-Ryû
Kempô Karate-Dô Kai. zurück |
| [E20] |
Vgl. Moledzki, S. 5. Bittmann (S. 113) ist der Ansicht,
dass er seinen Stil einfach als 'Mabuni-Ryû’
(Stil/Schule von Mabuni) bezeichnete.McCarthy (1999, S. 19)
schreibt, dass Mabunis Lehre in der Kansai-Region
als 'Hanko-Ryû’ und in der Kanto-Region
als 'Mabuni-Ryû’ bekannt war. zurück
|
| [E21] |
Ito
= shi; Higa
= tô;
'Schule/Stil von Itosu und Higashionna’ zurück
|
| [E22] |
Wann die Änderung des Namens genau stattfand
ist unbekannt. Nach Bishop (S. 106) war es 1937, laut Bittmann (S.
113) 1938 und Lind (S. 321) schreibt von 1934. Unstrittig ist aber,
dass die Registrierung beim Butokukai 1939 stattfand. Vgl.
Lind, S. 321 und McCarthy (1999), S. 19 zurück |
| [E23] |
Vgl. Moledzki, S. 8 zurück
|
| [E24] |
Nach Sell (S. 1) soll Aragaki Mabuni die Kata Aragaki-Bô
und Aragaki-Sai gezeigt haben. Vgl. Moledzki, S. 2 zurüc |
| [E25] |
Eine ausführliche Darstellung bei McCarthy
(1999), S. 21 zurück |
| [E26] |
Vgl. Ebd., S. 22 zurück |
| [E27] |
Diese Kata sind: Pinan Shôdan-Godan, Naihanchi
Shôdan-Sandan, Passai (Dai & Shô), Kôshôkun
(Dai, Shô & Shihô), Gojûshihô, Chintô,
Chinte, Rôhai Shôdan-Sandan, Miyojo, Wanshu, Kururunfa,
Suparinpei, Sanseiru, Seipai, Seisan, Ananko, Juroku, Aoyagi, Tenshô,
Sanchin, Seienchin, Shisôchin, Saifa, Niseishi, Sôchin,
Unsu, Matsumura Rôhai, Matsumura Passai, Matsumura Seisan, Chatanyara
Kôshôkun, Ishimine Passai, Nipaipo, Hakucho, Haufa, Jitte,
Jion, Ji’in, Wankan, Shinsei, Anan, Paipuren und Shinpa.
Heute gibt es zahlreiche Unterformen und Gruppierungen des Shitô-Ryû.
Je nach Schule kann diese Anzahl variieren. Vgl. Mabuni/McKenna, S.
104 zurück |
| [E28] |
„Eine Kata, drei Jahre“. Drei
Jahre konstanten Übens einer Kata wurden seinerzeit
von den Meistern als Minimum erachtet, um eine Form soweit perfektioniert
zu haben, dass eine neue erlernt werden durfte. Mabuni selbst
vertrat auch diese Meinung und plädierte für Qualität
statt Quantität. „In der Vergangenheit gab es wenige Karate-Meister,
die viele Kata kannten. Wenn Du dich spezialisierst und lediglich
ein paar Kata übst, wirst du ein ernsthafter Karate-Schüler
sein.“ Mabuni/McKenna, S. 19 zurück
|
| [E29] |
Die Japaner hatten nie eine sonderlich hohes Meinung
von der okinawanischen Bevölkerung. Sie betrachteten Okinawa
oft als kulturell zurückgebliebene Provinz. Manche japanische
Kampfkünstler erachten das Karate auch heute noch nicht
als würdig, um zu den traditionellen Budô-Künsten
gezählt zu werden. zurück
|
| [E30] |
Yamaguchi Gôgen in McCarthy (1997), S. 23
und Miyagi Chôjun in Ebd., S. 23 zurück |
| [E31] |
Mabuni/McKenna, S. 102, S. 9 zurück
|
| [E32] |
Ebd., S. 102 zurück
|
| [E33] |
Ôtsuka in McCarthy (1999), S. 18 zurück
|
| [E34] |
Vgl. Ebd., S. 24 zurück |
| [E35] |
Ich möchte hier noch einmal generell herausstellen,
dass hohe technische Fähigkeiten bei weitem nicht immer schlechtere
kämpferische Fähigkeiten implizieren. Auch wenn man in Anbetracht
der heutigen Kampfkunst-Szene vielleicht manchmal geneigt ist, dies
anzunehmen. zurück |
| [E36] |
„Mabuni-Ryû Karate-Dô Kenpô
Joshi Goshin-jutsu”. Vgl. McCarthy (1999), S. 32 zurück |
| [E37] |
Vgl. McCarthy (1999), S. 12 zurück |
| [E38] |
Vgl. Ebd., S. 25 zurück |
| [E39] |
Pinan (Heian) (Shôdan-Godan), Passai (Bassai),
Kôshôkun (Kankû), Wanshu (Empi), Chintô (Gankaku),
Jitte, Seisan (Hangetsu), Naihanchi (Tekki) (Shôdan-Sandan),
Jion. Vgl. Funakoshi, S. 9 und S. 35ff. Es werden 19 Kata
aufgeführt, wobei Taikyoku Shôdan-Sandan und Ten
no Kata lediglich von Funakoshi geschaffene Übungsformen
sind und nicht als traditionelle Kata im engeren Sinne gelten.
zurück |
| [E40] |
Vgl. Chambers, S. 2. Die Behauptung, dass Mabuni
in dieser Zeit auch Nakayama Masatoshi (1913-1987) unterrichtete
ist falsch, da Nakayama 1928 15 Jahre alt war und nach eigenen
Angaben erst 1932 sein Karate-Training (bei Funakoshi
Gichin) begann. Vgl.: Hassel, Randall G., Gespräche
mit dem Meister, Lauda-Königshofen 1997, S. 27.
zurück |
| [E41] |
Vgl. McCarthy (1999), S. 25 zurück |
| [E42] |
Wankan, Sôchin, Niseishi (Nijûshiho),
Ji’in, Rôhai (Meikyô), Bassai Shô, Chinte,
Unsu, Useishi (Gojûshiho) (Dai & Shô), Kôshôkun
(Kankû) Shô. zurück |
Bibliographie
| Bishop, Mark, Okinawan Karate: Teachers,
Styles and Secret Techniques, Charles E. Tuttle Company,
Rutland (2)1999 |
| Bittmann, Heiko, Karate-Dô: Der
Weg der Leeren Hand; Meister der vier großen Schulrichtungen
und ihre Lehre, Verlag |
| |
Heiko Bittmann, Ludwigsburg (2)2000
|
| Chambers, Damian, Kenwa
Mabuni: The Founder of Shôtôkan? |
| Funakoshi, Gichin, Karate-Dô Kyôhan:
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| Lind, Werner, Okinawa-Karate: Geschichte
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| Mabuni, Kenwa, McKenna, Mario (Trans.), Kôbô
Jizai Goshinjutsu Karate Kenpô – The Free Self-defense
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| Mabuni, Kenwa, Nakasone Genwa, Haltung
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© Matthias Golinski, 2003-2006
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mir mit freundlicher Genehmigung von Patrick
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Erstveröffentlichung: 15. September 2003
Überarbeitete Version: 15. März 2006
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