Ne-Waza (Bodenkampf) und Atemi-Waza (Schläge) im Judo
– verfasst von Koizumi Gunji – (Übersetzt von Matthias Golinski)
Ne-Waza (Bodenkampf) Wie in den vorhergehenden Kapiteln über Griffe und Hebel bereits beschrieben wurde, ist die Position des eigenen Körpers zu dem des Gegners von entscheidender Bedeutung. Falls der Gegner versucht durch Körperbewegung, Ziehen oder Schieben deine Position zu stören, muss du vorbereitet sein, um die Bemühungen des Gegners zu kontern und sich selbst in eine neue vorteilhafte Position zu bringen. Bei kleineren Wechseln, hebst du einfach deine Hüfte von der Matte und gehst in aufeinander folgenden Schritten. Bei größeren Wechseln machst du große „Schritte“ und „rennst“, indem du ein Bein über oder unter dem anderen herbewegst. Falls nötig, musst du dein Körpergewicht auf den Gegner bringen, indem du deinen Körper mit einer rollenden Bewebung drehst. 2. Die Trennung der Köper Wenn der Gegner versucht, dich aus einer haltenden oder reitenden Position zu bringen und dabei seinen Körper gegen dich einsetzt, musst du deinen Körper von seinem lösen, um den Effekt aufzuheben. 3. Der Körperschwerpunkt Bei Angriff und Abwehr sollte die aktive Kraft vom Unterleib, dem Körperschwerpunkt, abgeleitet und gegen den Unterleib des Gegners gerichtet werden. Dazu muss man das Kreuz in einer hohlen Position halten und die volle Stärke im Unterleib behalten. 4. Der Rumpf und die Gliedmaßen des Körpers Bei der Kontrolle des Gegnerischen Körpers sollte man den Rumpf als längliches Brett und die Glieder als Anhängsel betrachten. Damit sich ein Brett aus einer liegenden Position erheben kann, muss es zuerst ein oder zwei Ecken heben. Also musst du die Bewegungen des Gegners beobachten und dein Körpergewicht auf die sich hebende Ecke drücken oder heben. Kontrolliere dabei die Glieder an ihren Ansätzen nahe den Schultern und Hüften. 5. Zwei Wege den Körper zu verwenden Um die Kraft des Gegners zu lokalisieren und die körpereigene Kraft zu nutzen, solltest du deine Muskeln entspannen und wie ein nasses Handtuch über deinem Gegner liegen. Um das Gewicht deines Körpers auf einen Punkt zu konzentrieren, musst du deinen Körper vorwärts auf deinen Füßen krümmen, wobei deine Schultern oder dein Kopf auf dem Körper des Gegners ruhen. Bilde mit dem Körper eine zu den Füßen nach vorne gerichtete Brücke, während deine Schultern oder dein Kopf auf dem Körper des Gegners verbleiben. 6. Hände und Handgelenke Beim Drücken oder Ziehen sollten die Handgelenke leicht gebeugt sein und mit einer schraubenden Bewegung gedreht werden. Falls die Hände auf der Brust oder an der Kehle des Gegners eingesetzt werden, solltest du die Arme nicht strecken, da du sonst dem Gegner die Möglichkeit für einen Armhebel gibst. 7. Der Kopf Der Kopf sollte leicht nach hinten geneigt werden, da es sonst nicht möglich ist, Widerstand zu leisten, wenn der Kopf in einer nach vorne geneigten Position gefasst und herunter gezogen wird. Atemi-waza (Schläge) Die Nerven-Zentren zu denen die Schläge zielen werden Kyusho oder Vitalpunkte genannt. Es gibt viele solcher Punkte auf welchen ein Schlag traditionell als tödlich angesehen wird. Es liegt in der Natur der Atemi-Waza, dass es nicht wissenschaftlich erklärt oder bewiesen werden kann, dass der Effekt wie beschrieben eintritt; Doch im Licht des modernen Wissens erscheinen einige Behauptungen als durchaus akzeptabel, während viele traditionell tödliche Schläge eher das Ziel einer Schockverursachung zu haben scheinen. Ich habe hier jene Techniken ausgesucht, welche ich als am nützlichsten erachte. Allerdings muss ich noch einmal herausstellen, dass die Wirkung der Atemi-Waza von dem korrekten Timing, Körperbewegung und Heftigkeit, mit welcher der Schlag ausgeführt wird, abhängt. Die folgenden sind Kyusho und die Körperteile werden zum Schlagen benutzt:
2.
UTO (Sonne und Mond). Position: Der Ursprung der Augenbrauen. Technik: Faust oder Knie.
3.
JINCHU (Zentrum des Menschen). Position: Der Nasensockel. Technik: Faust, Handkante oder Knie.
4.
GWANTO (Der Kopf des Berges). Position: Kinnspitze. Technik: Aufwärts oder Abwärts mit der Faust, dem Knie oder dem Fuß.
5.
KASUMI (Nebel). Position: Schläfe. Technik: Faust oder Handkante.
6.
SUIGETSU (Wasser und Mond). Position: Solar Plexus. Technik: Faust, Ellenbogen, Knie oder Fuß.
7.
DENKO (Blitzschlag). Position: Rechte kurze Rippe. Technik: Faust, Knie oder Fuß.
8.
TSUKIKAGE (Schatten des Mondes). Position: Linke kurze Rippe. Technik: Faust, Ellenbogen, Knie oder Fuß.
9.
MYOJO (leuchtender Stern). Position: Ca. 2,5-1,27 cm unter dem Nabel. Technik: Faust, Ellenbogen, Knie oder Fuß.
10.
TSURIGANE. Position: Zwischen den Beinen. Technik: Knie, Fuß oder Faust.
© Matthias Golinski, 2006 Erstveröffentlichung unter www.TSURU.de: 15.01.2006 Sämtliche Abbildungen auf dieser Homepage entstammen dem Archiv des Autors oder sind mit der Genehmigung der jeweils verantwortlichen Dritten verwendet worden. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass Homepages (mit all ihren Einzelheiten) auch dem Schutz des Uhrheberrechts unterliegen.
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